Exitstrategien: Karriereende im Leistungssport -Wie meistere ich den Ausstieg?
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Verfasser Ben Göller

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15. Juni 2021

Exitstrategien: Karriereende im Leistungssport -Wie meistere ich den Ausstieg?
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Verfasser Ben Göller

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15. Juni 2021

Eine leistungssportliche Karriere bedarf eines jahrelangen Aufbaus und nimmt geschĂ€tzt 10.000 Trainingsstunden in Anspruch. Ein:e Sportler:in verbringt fast zehn Jahre damit, fĂŒr Spitzenleistungen zu trainieren. An der Spitze können die Athleten sich meist nur eine begrenzte Zeitspanne halten. Die GrĂŒnde dafĂŒr können unterschiedlichster Natur sein. Oft sind es jedoch die hohen Anforderungen an die körperlichen Ressourcen, die eine Leistungssportkarriere in die Knie zwingt. Die Vorbereitung auf das Karriereende Leistungssport und der Umgang damit ist eine wichtige und hochsensible Thematik, welche gerne unterschĂ€tzt wird.

Was den KarriereĂŒbergang erleichtern kann

Eine Forschergruppe um Ericsson (1993) befasste sich mit dem Thema der Leistungsentwicklung im Sport und ging davon aus, dass vor allem zielorientierte, langjĂ€hrige Übungs- und Trainingsprozesse motorische und kognitive Mechanismen fördern und zu Spitzenleistungen fĂŒhren. Die Forscher belegten ihre Annahme durch Vergleiche verschiedener Personengruppen mit und ohne Spitzenleistungen. Die Untersuchungsgruppe mit hervorgebrachten Spitzenleistungen – darunter waren Musiker:innen, Schachspieler:innen und Sportler:innen – haben mehr und ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum zielorientiert trainiert als solche mit durchschnittlichen Leistungen.

Entscheidet sich ein:e Sportler:in fĂŒr eine Karriere im Hochleistungssport, dann ist der Alltag durchgeplant und neben dem intensiven und umfangreichen Trainings- und Wettkampfkalender bleibt keine Zeit fĂŒr andere Dinge. Der Sport ist nicht mehr nur die schönste Nebensache der Welt, sondern wird die wichtigste Hauptsache.

LebensverÀnderungen wahrnehmen und Bilanz ziehen

Auf höchstem Niveau ĂŒber Jahre bestehen zu können, erfordert starkes Durchhaltevermögen und extreme Willens- und LeidensfĂ€higkeit. Trotz jahrelanger Disziplin geht die sportliche Laufbahn nicht spurlos am Körper der:s Athleten:in vorbei. Kaum ein:e Sportler:in durchlĂ€uft seine:ihre Karriere im Hochleistungssport ohne Hindernisse wie beispielsweise Verletzungen oder Leistungstiefs. Aus eigener Erfahrung als Sportler und als Sportpsychologe empfehle ich jedem:r Sportler:in immer wieder eine „Kosten-Nutzen-Bilanz“ zu ziehen. Im Leben einer Person kommt es immer wieder zu VerĂ€nderungen, die einer Anpassung bedarf. Rational und emotional das Geschehen abzuwĂ€gen, ist ĂŒberaus wichtig. Die Folge dessen kann ein Karriereende oder aber die verstĂ€rkte Anstrengung zum Weitermachen sein.

Schaubild: Kosten-Nutzen-Bilanz - Karriereende Leistungssport

Der Entschluss, die Karriere zu beenden

Bedenken wir, wie viel Energie, Zeit und Leidenschaft ein:e Athlet:in in seine:ihre sportliche Karriere gesteckt hat, dann versteht jede:r, dass das Beenden einer Karriere kein einfacher Entschluss ist. Es kann mit der Pensionierung aus dem Berufsleben verglichen werden, was fĂŒr viele Persönlichkeiten, die sich stark mit ihrem Beruf identifiziert haben einen großen Schritt darstellt. Im Sport wird zwischen dem – vorzeitigen, geplanten oder – abrupten Karriereende unterschieden.

Karriereende Leistungssport: plane deinen Ausstieg

Entscheidend fĂŒr das BewĂ€ltigen des Karriereendes sind die zur VerfĂŒgung stehenden Ressourcen und das Empfinden des:r Sportlers:in beim Übergang ins „normale Leben“. Eine rechtzeitige Planung, ein freiwilliger RĂŒcktritt sowie eine gute soziale UnterstĂŒtzung ermöglichen einen problemlosen und sanften KarriereĂŒbergang.

Leider ist diese Situation in den seltensten FÀllen RealitÀt. Meist sind es die ungeplanten abrupten Karriereausstiege, zum Beispiel aufgrund von Verletzungen oder unvorhersehbaren UmstÀnden, mit denen die Sportler:innen zu kÀmpfen haben.

Hilfreiche Tools: Reflektion und Diskussion mit dir selbst

Aus entwicklungspsychologischer Perspektive zĂ€hlt das Karriereende zu einer unabwendbaren und notwendigen Herausforderung, die von dem:r Sportler:in gemeistert werden muss. Aus eigener Erfahrung empfehle ich, sich gedanklich und emotional mit dem Karriereende zu beschĂ€ftigen. Hier hilft es beispielsweise die erlebten GefĂŒhle und Gedanken in einem Tagebuch festzuhalten. Diese Tagebuchaufzeichnungen können dann in GesprĂ€chen mit vertrauten Personen oder einem:r Sportpsychologen:in reflektiert und diskutiert werden. Durch das Wahrnehmen und Interpretieren der eigenen Empfindungen können Erlebnisse und GefĂŒhle besser reflektiert und verarbeitet werden. Zudem können die Personen, denen sich anvertraut wird stĂ€rker unterstĂŒtzen.

FĂ€higkeiten ĂŒbertragen lernen

Die Vorbereitung auf ein mögliches Karriereende sollte unbedingt Zielsetzungen außerhalb des Sports beinhalten. LĂ€ngsschnittstudien berichten, dass wĂ€hrend und kurz nach der Karriere der Sport und die sportliche Höchstleistung als primĂ€res Lebensziel gewichtet werden.
Eine Umorientierung findet mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur Sportkarriere statt. Befragungen ergaben, dass die Sportler:innen bereits nach einem Jahr die beruflichen Kompetenzen und die berufliche Entwicklung als wichtigstes Ziel formulierten.

Eine geeignete Methodik, um eine:n Athleten:in auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten, ist das Training ĂŒbertragbarerer FĂ€higkeiten – „transferable skills“ (Mayocchi & Hanraham, 2000; Murphy, 1995).

Zum einen lassen sich die im Sport erworbenen FĂ€higkeiten wie die individuelle StressbewĂ€ltigungs – und Selbstkontrollstrategien oder das Zielsetzungstraining sinnvoll nutzen.
Zum anderen lassen sich die erlernten Interventionsmethoden (StressbewÀltigung, Selbstkontrolle und Zielsetzung) auf berufliche Qualifikationen anwenden.

Ich freue mich darauf zu erfahren, vor welcher Entscheidung oder Ausstieg du stehst und was dich weitergebracht hat.

Alles liebe

Literaturhinweise:

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Ericsson, K. A., Krampe, R. T. & Tesch-Römer, C. (1993). The role of deliberate practice in the acquisition of expert performance. Psychological Review, 100, 363-406.

Hagemann, N., Tietjens, M. & Strauß, B. (2007). Expertiseforschung im Sport. In N. Hagemann, M. Tietjens & B. Strauß (Hrsg.), Psychologie der sportlichen Höchstleistung (S. 7-16). Göttingen: Hogrefe.

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Mayocchi, L. & Hanrahan, S. J. (2000). Tranferable skills for career change. In D. Lavallee & P. Wylleman (Eds.), Career transitions in sport: International perspectives (pp. 95- 110). Morgantown, WV: Fitness Information Technology

Murphy, S. M. (1995). Transitions in competitive sport: Maximizing individual potential. In S. M. Murphy (Ed.), Sport psychology interventions (pp. 331-346). Champaign, IL: Human Kinetics.

Stoll, O., Pfeffer, I. & Alfermann, D. (2010). Lehrbuch Sportpsychologie. Bern: Hans Huber Verlag.

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Stephan, Y., Bilard, J., Ninot, G. & DeligniĂšres, D. (2003a). Repercussions of transitions out of elite sport on subjective well-being: a one-year study. Journal of Applied Sport Psychology, 15, 354-371.

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